Kritische Analyse
von Prof. Dr. Aldo Maria Pero, Savona/Italien

Kaum ein Künstler beginnt die Malerei mit einem Stil, der definitiv figurativ oder abstrakt ist.
Es ist vielmehr eine Wahl, die manchmal schmerzlich und voll Unsicherheiten aufgrund von vielen gelebten und gemiedenen Erfahrungen ist.

Diese Feststellung trifft nicht auf Waltraud Caroline Keyn zu.

Ihre künstlerische Wahl, die eine klare Tendenz zum Abstrakten zeigt, ist deutlich aus ihrem künstlerischen Weg zu ersehen, wenn man ihre naturalistischen Werke, wie etwa die wunderschönen Landschaftsaquarelle betrachtet. Diese Aquarelle beeindrucken durch die subtile Verwandlung der Realität, durch die wir die Absicht erkennen können, den Blick von der äußeren Erscheinung auf die Essenz zu lenken.

Die Folge ist, dass sich diese Vision in eine Parallelwelt verlagert, wo eine nicht reale Dimension geschaffen wird – als ob die Zeit angehalten werden würde.

Ausgehend von dieser Analyse, können wir die Bedeutung der realen und wahrhaft künstlerischen Berufung von Waltraud Caroline Keyn verstehen, nämlich „die Abstraktion als ein Mittel der Freiheit“ zu sehen. Nicht nur unter künstlerischen, sondern auch unter menschlichen Gesichtspunkten ist dies zu verstehen, da sie die Tragödie erlebte, als Deutschland geteilt und in zwei Staaten zerrissen wurde.

Die abstrakten Bilder von Waltraud Caroline Keyn sind in geduldiger, konzentrierter Meditation entstanden, die mit einer Botschaft an den Betrachter verbunden ist.

Farben, Formen und Bewegung sind wesentlich für die Entzifferung der Symbole, die ein Instrument für das Verständnis der tiefen Natur dieses Kunsterlebnisses sind: ein seltenes und einzigartiges Beispiel für „ideologische Abstraktion“.

Das vollständige Verständnis der Absichten dieser Künstlerin ist sehr schwierig, da ihre Kunst – trotz der chromatischen Komposition – nicht verspielt ist, sondern menschliche Zustände aufzeigt.

Es ist kein Spiel, es ist eine Tragödie: die Trostlosigikeit eines Zeitalters, das nach dem sicheren Tod von Marx, hoffnungslos und ohne Zukunft erscheint. Aber diejenigen, die – wenn auch mit Schwierigkeiten – verstehen, dass die Kunst dieser großartigen Künstlerin die Vision und Synthese unserer Zeit ist, können Trost an der Quelle der Schönheit finden.

Wie sagte ein Schüler des Ästheten Georg Friedrich Hegel: „Die höchste Würde des Menschen liege nicht allein in der Philosophie und der Religion, sondern in der Kunst.“

Übersetzung aus dem Italienischen ins Deutsche von staatl. gepr. Dolmetscherin
Frau Hildegard Lutz, Arenzano/Italien 2009